Ursprung und Entwicklung des CLUDEM

Sigfrids Herkunft, das Ardennergeschlecht, war das Thema der ersten ‚Journées lotharingiennes’, die Prof. Paul Margue, Präsident des Centre Universitaire, 1980 zusammen mit Professoren der Universitäten Brüssel, Löwen, Lüttich, Nancy und später Trier, ins Leben rief. Es ging ihnen nicht um Luxemburger Geschichte, sondern um die Geschichte Lotharingiens, des Königreichs Lothars II. († 869), das im 10. Jh. von der Nordsee bis an die Vogesen reichte und um das sich keine universitäre Forschung kümmerte, weil der Raum heute von nationalstaatlichen Grenzen durchzogen wird. Seither finden die ‚Journées lotharingiennes’ alle zwei Jahre in Luxemburg statt.

Um 1987 sind etliche junge Luxemburger Historiker*innen, die sich in mittelalterlicher Geschichte spezialisiert hatten, zu den Herren Paul Margue, Gilbert Trausch und Jean Schroeder gestoßen, und haben den Forschungsbereich ausgeweitet. Sehr früh machten sie sich an die Aufgabe, das Urkunden- und Quellenbuch zur Geschichte der altluxemburgischen Territorien, dessen zehn Bände Camille Wampach zwischen 1935 und 1955 herausgegeben hatte, mit der Edition der Urkunden Johanns des Blinden fortzusetzen. Seither erfreut sich das CLUDEM der besten Zusammenarbeit mit allen staatlichen Kulturinstituten und mit dem Stadtmuseum.

Um die Arbeit besser zu organisieren, nannte sich die Forschergruppe ‚Centre luxembourgeois de Documentation et d’Etudes médiévales‛. Die ersten Tagungsbände der ‚Journées lotharingiennes‛ wurden als Publications de la Section historique de l’Institut grand-ducal veröffentlicht. Der erste reine CLUDEM-Band erschien 1990 und beschäftigte sich mit der 650-jährigen Schobermesse. Da weder das ‚Centre Universitaire’ noch die spätere Universität eine Finanzstruktur bereithielt, um das Geld aus dem Buchverkauf zu verwalten, gab sich das CLUDEM im Jahr 2010 die Gestalt eines Vereins ohne Gewinnzweck (Asbl. = association sans but lucratif).

(Überarbeiteter Ausschnitt aus Michel Pauly, Wozu Mittelalterforschung? Zum 30. Jubiläum des CLUDEM, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 1 (2018), S. I-VIII)

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